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Wie halte ich Workshops?

erstellt von André Wiesler zuletzt verändert: 19.04.2011 11:12

Ich habe auf dem FeenCon 2009 einen Workshop zur Frage gehalten, was man bei Workshops beachten sollte. Das Publikum war überschaubar (was nicht verwundert - auf der KingCon hatte ich einen einzigen Zuhörer :-)) aber sehr aktiv. Schön war auch, dass wir jemanden im Raum hatten, der einen Workshop zum Thema halten wollte: "Wie spiele ich Shadowrun richtig?" - so konnten wir am lebenden Beispiel zeigen, was man vermeiden sollte.

Ich habe meine Folien angehangen. Sie sind bei der Umwandlung ein bisschen ins fliederfarbene abgerutscht, das war eigentlich Feencon-Logo-Blau :-) Normalerweise bereite ich keine Folien zu meinen Workshops vor, aber da ich im Anschluss meinen Vortrag Von Blutsaugern ... gehalten habe, wusste ich, dass ein Beamer vorhanden war und habe die Gelegenheit genutzt.

Nachstehend meine Notizen zum Workshop, der jedoch an vielen Stellen sehr schön von den Zuhörern ergänzt wurde. Und der Shadowrun-Prophet wurde schlussendlich auch bekehrt und wird seinen Workshop nun wohl "Warum mich Shadowrun seit 20 Jahren begeistert" oder "Wie man 20 Jahre mit einem Rollenspiel glücklich wird" nennen :)

Wie halte ich einen Workshop?

Beginn: Frage nach Workshop-Ideen der Leute

Thema

  • Interessant für eine größere Gruppe
  • Noch nicht 100x durchgekaut

-> Publikum Thema ihrer Workshops formulieren lassen.

Form

Vortrag oder Workshop

Teaser

Wie man Leute in den Workshop kriegt

  • Auf den Punkt, damit klar ist, worum es geht
  • Leute da abholen, wo sie stehen, d.h. Erlebnisse andeuten, Anreize schaffen mit bekannten Situationen.
  • Expertise! Man muss mehr darüber wissen, als andere - hier erklären, warum das so ist

Mein Teaser: Wie halte ich Workshops?

Wer lange genug als Spielleiter tätig ist, sammelt zwangsläufig Perlen der Weisheit, die man gerne mit anderen teilen möchte. Aufschreiben ist jedoch eine Menge Arbeit und nicht immer findet man eine Plattform, die das Geschriebene dann auch an den Mann bringt. Was liegt also näher, als auf einer der zahlreichen Cons einen Workshop abzuhalten? Doch wie gestaltet man einen solchen, damit er den Besuchern auch wirklich etwas bringt? Was sind die Fallstricke? Und wie bekämpft man das Lampenfieber? Mit all diesen Fragen beschäftigt sich dieser Workshop von André Wiesler, der zugleich der zwanzigste Workshop ist, den der Wuppertaler Autor konzipiert hat.

-> Teaser formulieren lassen

Vorbereitung

Am Anfang: Ablaufplan, z.T. mit Details

Später reichen oft Stichpunkte

Thema von vielen Seiten betrachten. Recherche! Nicht einfach davon ausgehen, dass man schon genug drüber weiß. -> Mehrwert

Fragen vorausahnen

Bei Workshops: Arbeitsmaterialien

Ablauf

Vom Großen zum Kleinen.

Keine Flut an Infos - Leute sollen zuhören, nicht die ganze Zeit mitschreiben

Vortragsart. Langsam sprechen, denken vorm reden.

Optionen bieten, nicht Regeln aufstellen - dazu gehört auch: Leute nicht unterbrechen. Ausnahmen: siehe Fallstricke

Offen für Fragen und andere Ansichten bleiben

Quellen für weitere Recherche nennen, falls vorhanden.

Fallstricke

Lampenfieber

  • Einleitung im Vorfeld festlegen, zur Not aufschreiben und ablesen.

Besserwisser

  • Unterscheidung: Leute, die engagiert dabei sind <> Klugscheißer, die nur zeigen wollen, dass sie es besser machen. Erstere einbinden, Input nutzen. Zweitere ihre Aussagen machen lassen, „kann man so sehen“ oder mit „Das bringt uns jetzt zu weit vom Thema weg“ abschneiden.

Störenfriede

  • Bewusste Störenfriede -> ermahnen, verwarnen, rausschmeißen
  • Unbewusste Störenfriede -> bitten, ermahnen, verwarnen, rausschmeißen

Wissenslücken

  • Man kann nicht alles wissen. Zugeben, auf andere Quellen verweisen, ggfl. anbieten auf der eigenen HP oder per Mail Infos nachzureichen.

Abweichende Erwartungen

  • entweder: Wenn der Teaser gut formuliert war, Pech gehabt.

Oder auf Nummer sicher: Im Vorfeld erfragen, was die Leute erwarten und dann anpassen.

Bei möglicher Doppeldeutigkeit im Teaser, spätestens im Vortrag drauf hinweisen, was es ist und was nicht.

Zeit

  • Vortrag vorher mal probehalten, Workshopübungen selbst machen

WiehalteichWorkshops.pdf

fberger
fberger sagt
19.04.2011 11:15
Hi,

danke, André, das war ein guter Workshop. Ich habe noch ein paar Ergänzungen:

- Strukturiere den Workshop, *und* mache diese Struktur sichtbar. Also: sage Deine wichtigen Schritte an, schreibe sie an eine Tafel oder einen Flipchart oder verwende einen Beamer.
- Dokumentiere den Workshop: bereite Handouts vor, oder stell eine Zusammenfassung bzw. Folien ins Internet (am besten natürlich hier ;-) )
- Sei erreichbar: wenn es kein Problem für Dich ist, dann sei auch über den Workshop hinaus erreichbar. Gib Deine E-Mail-Adresse, Deine Homepage oder diese Seite hier bekannt.

Ich habe den Workshop gleich noch auf http://spielleiterwerkstatt.de/spielregeln verlinkt, weil er einfache eine sehr gute Referenz ist.

Florian
falkbongert
falkbongert sagt
19.04.2011 11:19
zu "Abweichende Erwartungen":

Ich hatte tatsächlich mal einen Workshop zum Thema "Von Paranoia lernen" bei dem im Teaser ganz klar stand, dass ich darüber referieren wollte, was man aus dem Rollenspiel Paranoia für andere Rollenspiele lernen kann. Trotzdem waren von den 10 Besuchern des Workshops alle 10 enttäuscht, dass ich nicht mehr über Paranoia erzählt habe, und statt dessen vom Nutzen für andere RSPs gesprochen habe. Ich habe dann hinterher nochmal auf den Teaser verwiesen und bekam dann tatsächlich sowas zu hören wie "Ja, stimmt, da stehts so wie du es gemacht hast. Ich hatte trotzdem was anderes erwartet."

Merke: Nicht nur der Teaser, auch die Überschrift muss klar genug gewählt werden. Nachfragen hilft natürlich auch immer.

Mal schaun ob ich auf einer anderen Con mal den ganzen Workshop sehen kann.
andrewiesler
andrewiesler sagt
19.04.2011 11:20
Ich werde den Workshop voraussichtlich nicht mehr anbieten. Ich spreche lieber vor 30 als vor 8 Leuten :)
falkbongert
falkbongert sagt
19.04.2011 11:21
Ja, kann ich verstehen.
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